Mein Besuch in der Mönchsschule


Nachdem ich im Süden Sri Lankas in das neue Jahr getanzt war, suchte ich einen Ort etwas abseits des Trubels. Hierzu war ich nach Tissamaharama gefahren. Ein wunderbarer Ort in mitten von Reisplantagen. Bekannt ist die Gegend für ihre Nationalparks in denen die Besucher Elefanten, Leoparden und viele weitere Tiere beobachten können. Mich hatten die grünen Reisfelder und die Bäume voller Vögel oder zu anderen Zeiten auch Fledermäuse in ihren Bann gezogen. Inmitten dieser wundervollen Region liegt die Mönchsschule in Saliyapura, abseits des touristischen Trubels.

Am Morgen nach dem Frühstück hatte ich ein TukTuk bestellt, das mich abholte. Mit der unermüdlichen Hilfe von dem lieben Sujith erklärten wir dem Fahrer, wo ich hinwollte. Sujith begleitet das Projekt, der WCTAG hilft seit Jahren. Mit dem TukTuk düsten wir dann durch die Reisfelder. Je weiter wir uns von unserem Ausgangspunkt entfernten, desto häufiger hielten wir an und der Fahrer fragte Reisbauern und Kioskbesitzer nach dem Weg zur Mönchschule. Ich konnte bei der Wegfindung nicht helfen und habe deshalb auf meine Asienerfahrung vertraut, dass am Ende sich schon alles finden wird. Und so kamen wir nach einer guten halben Stunde Fahrt in der Mönchschule an. Hier wurden ich sehr freundlich von dem Mönch und den Lehrern begrüßt. Die Kinder haben zunächst einmal aus der Entfernung die Lage sondiert. Nach kurzer Diskussion, ob der Fahrer auf mich warten soll oder ich alleine zurück ins Dorf komme, fuhr der Fahrer zurück. Ich vertraute einfach darauf, dass sich schon ein Transportmittel finden würde.

Ich wurde zunächst mit Tee und Keksen im „Lehrerzimmer“ versorgt. Im Lehrerzimmer standen drei Schreibtische und ein Lehrer saß an einem Computer und übte für einen Sprachtest, um an einer ausländischen Schule unterrichten zu können. Einige der Lehrer sprachen gut Englisch und fragten mich zunächst über meine Reise in Sri Lanka aus und natürlich darüber, ob es mir hier gefiel. Zwischendurch steckte immer mal wieder einer der Jungs neugierig den Kopf durch die Tür oder das Fenster. Nach zwei Tassen Tee hatte ich genug von mir erzählt und wir begannen den Rundgang durch die Schule. Zunächst gingen wir durch die verschiedenen Klassen. Es war der erste Schultag nach den Ferien, weshalb überall die Stundenpläne besprochen wurden und noch eine fröhliche Unruhe herrschte. Nicht alle Kinder leben in der Schule, weshalb einige Kinder auch an diesem Tag in die Schule zurückkamen. Die Stimmung unter den Kindern war wie auch bei uns am ersten Schultag nach den Ferien. Alle freuten sich über das Wiedersehen und hatten sich viel zu erzählen. Ich stand mal vor der Klasse und erzählte, wer ich bin und saß mal auf einer kleinen Schulbank und guckte mir den Unterricht an. Die Kinder werden in buddhistischen Lehren unterrichtet, sowie in für uns klassischen Schulfächern wie Mathe und Englisch.

 

Einer der älteren Jungen zeigte mir einen kleinen Pavillon, den er gebaut hatte. Wir setzten uns in den Pavillon und unterhielten uns auf Englisch und mit Händen und Füßen. Einige der Jungs waren noch etwas schüchtern, insbesondere die Scheu vor der englischen Sprache schien sie zu hemmen. Nachdem ich versucht hatte Sanskrittexte nachzusprechen, verlieren die Jungs die Hemmungen, Englisch zu sprechen und wurden offener. Vermutlich waren meine Leistungen im Sanskrit nicht gerade überragend. Wir unterhielten uns darüber, was sie im Unterricht lernen und wie lange die einzelnen Jungen schon in der Schule waren. Dann kam das, was Jugendliche im Westen auch machen würden: Facebook Kontakte austauschen. Wobei wir alle kaum Internet inmitten der Reisfelder hatten und deshalb erst später einander hinzufügen konnten. Die moderne Technik ist hier zwar angekommen, aber ganz so selbstverständlich wie zuhause ist es doch noch nicht.

 

Schon war der Vormittag vorbei und es war Zeit Mittag zu essen. Die kleineren Kinder hatten schon gegessen und nun waren die älteren Jungen dran. Ich „musste“ in einem separaten Raum alleine essen. „Es wäre zu laut und unruhig in dem Essensraum der Schüler.“ Auch wenn ich protestierte, konnte ich die Lehrer nicht dazu bewegen, mich mit den Kindern essen zu lassen. Aus ihrer Sicht wäre es unhöflich mir keinen besonderen Platz zum Essen zu geben. Ich war Gast in diesem Land also nahm ich die Gastfreundschaft gerne an. Das Essen war lecker, aber viel zu viel für mich. Ich bemühte mich, ohne unhöflich zu sein, meine Gastgeber davon zu überzeugen, dass ich satt war. Nach dem Essen kam der Betelnuss Verkäufer durch die Hintertür und bot seine Ware an. Mir wurden die regionalen Unterschiede der Betelnussmischungen erklärt. In Sri Lanka wird die Betelnuss mit wenig Zusatzstoffen gekaut. Die Lehrer versuchten mich zu überzeugen auch etwas zu

probieren. Als Frau konnte ich mich hier zum Glück ohne zu probieren aus der Affäre ziehen. Für alle, die noch keine Betelnüsse probiert haben: Der Speichelfluss wird dabei extrem erhöht und bei ungeübten Touristen kann es durchaus passieren, dass der rote Saft beim Ausspucken nicht auf der Straße, sondern auf dem T-Shirt landet. So trank ich noch einen Tee und guckte den Männern beim Betelnuss kauen zu.

 

Ich weiß zwar, dass es pädagogisch sinnvoll ist, Bücher und Stifte zu verschenken, aber mit Süßigkeiten macht man Kinder zumindest kurzfristig glücklicher. Also gab ich nach dem Mittag Süßigkeiten für alle aus. Wir saßen in der Sonne und lutschten Bonbons. Und die Lehrer und der Mönch versuchten die Kinder zu überreden, mit mir ihr Englisch zu üben. Das klappte auch mittlerweile ganz gut. Ich stellte ihnen einfache Fragen und sie antworteten mir. Trotz aller Sprachbarrieren herrscht eine große Gastfreundschaft und Herzlichkeit.

Zum Abschluss machten wir noch ein Gruppenfoto und dann nahm mich einer der Lehrer auf dem Motorrad mit zurück in die Stadt. Am Ende findet sich doch immer eine Mitfahrgelegenheit in Asien.

Vielen Dank für die schönen Stunden.

Carmen

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